"Traumberufe der Jus-Absolventen"

  von in Wirtschaft & Arbeitsmarkt
Unser Gastbeitrag für die Fachzeitschrift des Juristenverbandes, der "Nova & Varia" Mit dem Themenabend „Traumberuf Rechtsanwalt, Richter und Notar“ am 10. Juni 2015 im Event-Center der Erste Bank traf der Juristenverband ins Schwarze und zeigte ein Problem auf, vor dem viele Absolventinnen und Absolventen nach ihrer Ausbildung stehen: Wie geht mein Weg nun weiter? In welchem Berufsfeld möchte ich künftig tätig sein? Und: Wie komme ich dort hin? Zu diesen Fragestellungen nahmen hochkarätige Referenten in unterschiedlichen juristischen Berufen Stellung. Es berichteten aus ihrem Erfahrungsschatz: Dr. Alfred Brogyányi, Präsident a.D. der Kammer der Wirtschaftstreuhänder Dr. Erich Laminger, Management Kreativ, Unternehmensberatung u.a. Dr. Leo Levnaic-Iwanski, Senatspräsident des OLG Wien MMag. Dr. Philipp Nierlich, LL.M., Notariatskandidat in Wien Mag. Peter Spieß, MBA (Genf), ideas consulting GmbH, Geschäftsführung Mag. Jan Philipp Schifko, RAA in Wien, Moderation Ihre Ausführungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Palette an klassischen juristischen Berufen und der Weg zur Karriere als Richter, Rechtsanwalt, Notar, Wirtschaftstreuhänder oder als Jurist in der Privatwirtschaft wurde sehr anschaulich vorgestellt, sodass sich die Teilnehmer ein Bild von den Besonderheiten und immanenten Herausforderungen im jeweiligen Berufszweig machen konnten. So unterschiedlich die Tätigkeitsfelder der Referenten im Detail auch waren, ein wesentlicher Punkt verband sie neben ihrer juristischen Grundausbildung jedenfalls: Die spürbare Leidenschaft für den Beruf, den sie gewählt haben! Diese Begeisterung für etwas, mit dem man sich täglich viele Stunden auseinandersetzt, ist die Grundvoraussetzung, um hochwertige Leistungen erbringen zu können. Und diese Qualität ist wiederum – gemeinsam mit der Freude an der täglichen Arbeit – die Basis für nachhaltigen Erfolg im Berufsleben. Die juristische Ausbildung ist mit Sicherheit eine Allroundausbildung, die viele Türen öffnet. Doch wie erkennt man, durch welche Türe man nach dem Studium gehen soll? Mit der Entscheidung für eine der Türen stellt man die Weichen für die Zukunft – eine Änderung des Berufsfeldes ist zwar durchaus möglich, aber mit viel Aufwand verbunden. Es empfiehlt sich also, seine Berufswünsche gut durchzudenken und seinen Karriereweg gezielt und aktiv in Angriff zu nehmen. Im Vorfeld ist hier für jeden Berufseinsteiger zu klären, welche Möglichkeiten der Markt bietet. Als klassische juristische Berufe werden hier häufig jener als Rechtsanwalt, Richter und Jurist der Privatwirtschaft angeführt. Auch der Berufsstand der Notare darf in der Aufzählung nicht fehlen, ist jedoch im Vergleich zu dem Berufsstand der Rechtsanwälte ein recht kleiner. Nach den Ausführungen von MMag. Dr. Nierlich kommen auf einen Notar rund 10 Rechtsanwälte. Der Beruf des Wirtschaftstreuhänders, sei es als Steuerberater oder als Wirtschaftsprüfer, wird mittlerweile zu rund 60% von Juristen ausgeübt, ist jedoch ein recht unbekannter Berufszweig unter juristischen Absolventinnen und Absolventen. Hier erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Dr. Brogyányi einen sehr wertvollen Überblick über die steigenden Chancen von Juristen in diesem Berufsfeld. Wenn man den Markt und die damit verbundenen Chancen schon sehr gut sondiert hat, stellt sich eine ganz wesentliche weiterführende Frage, mit der man sich sehr bewusst auseinander setzen sollte: Was will ich selbst?Wo liegen meine Stärken und was macht mir Spaß? Denn beruflich sollte man nur die Dinge tun, die man sowohl gut kann als auch gerne macht. Beschäftigt man sich ständig mit Dingen, die man zwar besonders gut kann, aber nicht mit Leidenschaft ausübt, besteht über all die Jahre, die man damit verbringt, die sehr hohe Gefahr eines Burnouts. Ist man jedoch nicht gut in dem, was man tut, macht es aber sehr gerne, wird die Qualität der eigenen Leistung vermutlich nicht ausreichen, um sich gegen seine Konkurrenz zu behaupten und beruflich zu reüssieren. Nur wenn man die eigenen Interessen, Stärken und Schwächen kennt und auch weiß, wofür das eigene Herz schlägt, steigt die Chance, den eigenen Traumberuf zu erkennen und auszuüben. Nun ist es in einem weiteren Schritt sinnvoll, das persönliche Profil mit dem Profil des angestrebten Berufes abzugleichen und die vorhandene oder nicht vorhandene Kongruenz unter die Lupe zu nehmen. Einem Richter beispielsweise muss es ein besonderes Anliegen sein, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Die Objektivität, das Für und Wider abzuwägen und nicht nur eine Position vehement zu vertreten, ist hier absolute Grundvoraussetzung. Wer über diese Eigenschaften nicht verfügt, wird sich in der Rolle eines Richters mit all seinen Aufgaben vermutlich nicht sehr wohl fühlen. Unabhängig vom konkreten Rechtsberuf waren sich alle Referenten hierbei einig: Neben Disziplin, Flexibilität und der Freude an kniffligen Fragestellungen muss man in fast allen juristischen Berufen mit Menschen arbeiten können bzw. wollen, kreativ sein und Sachverhalte klar und einfach darstellen können, um sie juristischen Laien verständlich zu machen. Ein weiterer wesentlicher Punkt, dem man Beachtung schenken sollte, sind die negativen Seiten, die mit der Berufsausübung leider zwangsläufig verbunden sind. Für die Prüfung, ob man gewillt ist, auch diesen Teilbereich mitzutragen, gab es an diesem Abend einen klaren Aufruf, denn nicht jeder kann mit den negativen Auswirkungen umgehen bzw. möchte mit ihnen konfrontiert sein. Dr. Levnaic-Iwanski machte diesen Aspekt am Beispiel des Richters deutlich: Von diesem wurde seit jeher erwartet, Autorität zu verkörpern. Heute ist das grundlegend anders, Autoritätspersonen werden immer mehr in Frage gestellt. Cyber-Mobbing, gegen das man sich nur schwer wehren kann, sowie verbale und körperliche Übergriffe nehmen sukzessive zu. Dr. Levnaic-Iwanski brachte es wie folgt auf den Punkt: Wer täglich Lob und Anerkennung braucht, sollte Artist werden, aber nicht Richter. Mag. Schifko berichtete indes aus seinem Erfahrungsschatz als Rechtsanwaltsanwärter. Das Dasein als Rechtsanwalt ist aus seiner Sicht ein Traumberuf, wenn man gerne selbständig und abwechslungsreich arbeitet. Auch wenn es sich um keinen klassischen Nine-to-Five-Job handelt, sondern viel mehr um einen Nine-to-Nine-Job, ist es jener Bereich,der ihn mit Freude erfüllt und den er nicht nur aus finanziellen Gründen ausübt. Es empfiehlt sich somit jedenfalls, den Markt zu sondieren, sich umzuhören und jede Möglichkeit zu nutzen, persönliche Gespräche mit Menschen in den jeweiligen juristischen Berufen zu führen. So erfährt man meist sehr ehrlich und aus nächster Nähe, welche Besonderheiten in diesem Tätigkeitsfeld zu erwarten sind und kann die Anforderungen besser einschätzen. Nach all dem Gesagten fehlt jedoch noch ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum Traumberuf, nämlich die Lösung der Frage: Wie erreiche ich mein Berufsziel möglichst rasch? Hierzu gaben die beiden Referenten aus der Privatwirtschaft wertvolle Tipps aus ihrem Erfahrungsschatz: Für Bewerberinnen und Bewerber ist es unerlässlich im Vorfeld zu überlegen, was sie zu bieten haben und welche Stärken sie auszeichnen. Dr. Laminger führte hierzu aus, dass vor allem Menschen mit juristischem Hintergrund, die Kreativität mitbringen und zeigen, wie ein Problem trotz aller Widrigkeiten zu lösen ist, äußerst gefragt sind. BewerberInnen sollen sich ruhig trauen, neue Wege zu beschreiten und im Bewerbungsverfahren mit ihren unkonventionellen Ideen zu überraschen. Die meisten Menschen wissen, wie etwas nicht geht, hier jedoch Lösungswege aufzuzeigen, macht einzigartig und beeindruckt. Auch die oftmals erwartete Berufserfahrung, die Absolventinnen und Absolventen im gewünschten Ausmaß natürlich (noch) nicht vorweisen können, soll die Bewerberinnen und Bewerber nicht daran hindern, über das Studium hinausgehende Aspekte, die sie auszeichnen und die auf Lebenserfahrung beruhen, herauszustreichen. Hier lohnt es sich, Zeit und Energie zu investieren und Bewerbungsunterlagen aufzubereiten, die dem potentiellen Arbeitgeber ihre Authentizität, Flexibilität und ihre Innovationsbereitschaft vermitteln. Die Bewerbungsunterlage soll den Recruiter in den Bann ziehen und sein Interesse wecken. Mag. Spieß ergänzte aus der Sicht eines Headhunters, dass der Markt nach den Besten sucht bzw. nach jenen, die sich spezialisiert haben und somit Experten in ihrem Fachgebiet sind. Das Erfordernis, Stärken zu entwickeln und erkennbar darzustellen, wird dadurch nochmals unterstrichen. Die Währung der Juristinnen und Juristen ist aus seiner Sicht die Qualität der Leistung, sowohl jener, die man kommuniziert als auch jener, die man schlussendlich erbringt. Dies gilt es auch adäquat hervorzuheben. Zur Entlohnung in den dargestellten Berufen waren die Referenten der einhelligen Meinung, dass man sich vom Einstiegsgehalt nicht abschrecken lassen sollte. In der Anfangszeit bewegt sich die Entlohnung in allen juristischen Berufssparten recht konform und steigt jedenfalls mit der zunehmenden Berufserfahrung. Abschließend informierte Frau Pfanner vom „Beratungszentrum Freie Berufe“ über die Angebote der Erste Bank speziell für Juristinnen und Juristen, sowohl in den angesprochenen Berufsfeldern in der Startphase als auch in der laufenden Begleitung. Bezugnehmend auf ihre Vorredner ergänzte sie, dass selbstverständlich auch die Bank gute Juristen benötigt und tolle Arbeitsmöglichkeiten bietet! Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Themenabend „Traumberufe“ einen sehr fundierten Überblick über das breite Feld der juristischen Kernberufe, sowie über Karrierechancen und den Weg zur Zielerreichung „Traumberuf“ bot. Die zahlreichen Inputs konnten im Anschluss bei Brötchen und Getränken noch vertieft werden. Mag. Birgit Sciborsky Geschäftsführerin und Personalexpertin der DOPEG GmbH, Wien   NV1NV2NV3NV4

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