Arbeitsunwillige melden - Aufdecken von Missbrauch versus Vernaderung

  von in Rechtliches

Gedanken zur aktuellen Debatte über den Vorschlag der Wirtschaftskammer(n) derstandard.at//Wirtschaftskammern-suchen-arbeitsunwillige-Joblose Das Arbeitslosengeld ist eine Versicherungsleistung, die an jene ausbezahlt wird, bei denen der Versicherungsfall eintritt. Solange sich das alles gut ausgeht, ein gutes Wirtschaftswachstum vorhanden ist und der Wohlstand steigt, wird vereinzelter Missbrauch relativ emotionslos zur Kenntnis genommen. Jetzt sind die Ressourcen knapper geworden, die Arbeitsplätze weniger, die Zahl der Anspruchsberechtigten wird größer, und das Thema Flüchtlinge und Asylanten erschwert es zusätzlich, die Themen auseinanderzuhalten. Bleiben wir beim Hauptvorwurf einiger Wirtschaftskammern: Eine relevante Anzahl von Bewerbern tritt eher unmotiviert zum Bewerbungsgespräch an und diese wollen nur den Stempel für das AMS-Formular. „Um ein Gefühl für das Ausmaß des Problems zu bekommen“, sollen die Mitglieder an die Kammern diese Fälle melden, dort werden sie gesammelt und dann an das AMS weitergeleitet. Dann wolle man in den AMS-Beiräten nachschauen, was mit den Meldungen passiert. So will man Druck aufbauen, um die Arbeitsunwilligen herauszufiltern und in der Folge zu Arbeitswilligen zu machen oder den Bezug zu kürzen. Diese Vorgangsweise passt für jenen Teil der AMS-Bezieher, die arbeiten können UND nicht arbeiten wollen, obwohl ihnen ein Job angeboten wurde, den sie mit Engagement so gut bewältigen könnten, sodass auch das beschäftigende Unternehmen etwas davon hat. Laut Auskunft des AMS wurde das Arbeitslosengeld im Vorjahr 102.431 Mal gesperrt bei einem Zuwachs von 1,2 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit im selben Zeitraum um 3,1 % gestiegen. Jeder ungerechtfertigte Bezug des Arbeitslosengeldes für sich ist Betrug an der Solidargemeinschaft und als solches zu bekämpfen, was grundsätzlich auch passiert. Es scheint das Problem also so groß gar nicht zu sein, wie das Ausmaß der Diskussion vermuten lassen würde. Sie einfach als Neiddebatte abzutun, ist aber auch nicht adäquat. Da geht es um mehr - woher kommt diese Neverending Story? Gehen wir davon aus, dass das AMS seine Aufgaben im Rahmen seiner Möglichkeiten gut erfüllt, dann bleibt noch immer die Überlastung der AMS-MitarbeiterInnen, die viele andere und zusätzliche Aufgaben zu erfüllen haben bei gleichzeitig steigenden Betreutenzahlen. Was spielt noch mit hinein? - Es gibt zumindest in einigen Bereichen zu wenig Fachkräfte, die die Jobanforderungen erfüllen können. BewerberInnen werden aber trotzdem aufgefordert, sich zu bewerben. UnternehmerInnen und BewerberInnen sind davon gleichermaßen nicht begeistert. - Die Branchenvielfalt ist so groß, dass vereinzelt falsche Bewerbungsvorgaben gemacht werden. Ein beliebtes Beispiel dafür sind ehemalige MitarbeiterInnen aus Personalabteilungen, die sich für Personalverrechnungspositionen bewerben müssen. Das ist ungefähr so, wie wenn man einem Automechaniker sagt, er soll ab sofort die Diagnosegeräte für die Autoelektronik neu programmieren. - Ältere DienstnehmerInnen werden seltener eingestellt, weil sie den Nimbus mit sich herumtragen, teurer, krankheitsanfälliger, weniger steuerbar und praktisch unkündbar zu sein. Das AMS schickt diese zum Vorstellungsgespräch, während in der Folge die Unternehmen oft reflexartig ablehnen. Verlorene Liebesmüh auf allen Seiten, eine Lösung dafür wäre die Arbeitskräfteüberlassung, dazu aber ein andermal. - Unternehmen sind auf der Suche nach dem/r idealen MitarbeiterIn und versuchen dies oft über den Lebenslauf, anstatt als Hauptkriterium die aus den Unternehmenszielen abgeleitete Jobdefinition zu verwenden und erst in weiterer Folge die formalen Kriterien zu verwenden. Als Abschluss wird dann die „sympathische Passung“ geprüft. Das ist zwar für die/den PersonalerIn mehr Arbeit, bringt aber bessere Besetzungen mit sich. Macht das Ihr(e) PersonalistIn bzw. Ihr Personaldienstleister schon so? - Anreize: Der Anreiz, sich irgendeinen Job zu suchen und dann etwas mehr als den AMS-Bezug zu bekommen, ist zu wenig. Die Attraktivität eines Jobs bemisst sich einerseits daran, wie „angenehm“ es ist, AMS-BezieherIn zu sein und andererseits daran, welche Perspektiven und Chancen ein neuer Job mit sich bringt, also ein klassischer Anreizkonflikt. Für die meisten wird die Tatsache des AMS-Bezuges unangenehm genug sein, und für die sich in der Versicherungsleistung „Ausruhenden“ gibt es Konsequenzen, die vielleicht noch etwas hartnäckiger gehandhabt werden könnten. Andererseits muss man den BewerberInnen auch das Rüstzeug in die Hand geben, dass Sie nicht von einer Absage zur nächsten stolpern und kein Licht am Ende des Tunnels erblicken, weil sie sich nicht gebraucht und gewollt wahrnehmen. Was bleibt, ist der Bedarf an besseren und sinnvolleren Ausbildungen, kombiniert mit denselben Konsequenzen bei nicht engagierter Teilnahme wie oben beschrieben. Zusätzlich muss sich die Personalsuche wegbewegen vom perfekten Lebenslauf hin zu tätigkeits- UND persönlichkeitsorientierten Besetzungen. Hier hilft Ihr guter Personaldienstleister! Die Thematik ist zu komplex, um mit ein paar Hausrezepten die große Lösung herbeizuführen, aber einige Ansatzpunkte gibt es allemal, die es wert sind, dringend bearbeitet zu werden. Wenn man es schafft, den Vernaderungs- und den Neidaspekt aus der Thematik rauszuhalten, bleibt noch genug Raum für ein sinnvolles Rückmeldungs- und Konsequenzenmodell bei gleichzeitiger Wertschätzung der Bemühungen beider Seiten. Bildquelle: pixabay.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.