Keine Mitarbeiter über 50 – die Replik eines „Betroffenen“

  von in Recruiting & Karriere

Am 24. Juli erschien in der Presse ein Bericht eines Unternehmers mit dem Titel „Ich stelle nie wieder jemanden über 50 an“. Am 3. August hat sich nun ein 50-Plus-Vertreter zu Wort gemeldet mit seiner Sicht der Dinge: http://diepresse.com Der Bericht ist erstens ziemlich informativ und zweitens sehr erhellend, was man beim Autor, einem gelernten Journalisten, auch erwarten darf. Die Replik begeistert mich vor allem mit dem beschriebenen Engagement, der Klarheit über die aktuelle Situation und dem Verzicht auf Lamentieren und Schuldzuweisungen. Welche Kernaussagen trifft der Autor?
  • Bei den AMS-Beratern sind die aktuellen Zustände schon gut angekommen: Schwierig ist es für hochqualifizierte 50-Plus-Vertreter, vor allem wenn sie international erfahren sind und keine Österreicher.
  • Für diese Bewerber gibt es praktisch keine offenen Stellen am freien Markt.
  • Eigeninitiative ist gefragt, das Tätigkeitsspektrum ist zu erweitern.
  • Noch einmal zur Verdeutlichung: Zu qualifiziert zu sein ist ein Ausschlusskriterium und international erfahren bedeutet national und regional ungeeignet!
  • Damit irgendwas passiert, wird der Bewerber mit 700 selbst geschickten Bewerbungen (!) in Pflichtkurse mit dem Titel „Kaufsucht“ usw. geschickt. Da muss die Umwegrentabilität über „Kurs ist super – Motivation und Können des Bewerbers steigen ungemein – mit dem neuen Selbstbewusstsein und den neuen Kompetenzen ist der neue Job nur eine Frage der Zeit“ ja immens sein.
Welche Erkenntnisse bleiben?
  • Das AMS hat in bestimmten Bereichen unlösbare Aufgaben verbunden mit fragwürdigen Vorgaben – mir wäre ein „ehrlicher Arbeitsloser“ in der Statistik lieber, und es wäre auch billiger. Aber natürlich: Bestimmte Aspekte herauszulösen und zu kritisieren, ist nicht schwer.
  • Ältere Mitarbeiter sind teurer, die Abflachung der kollektivvertraglichen Gehaltskurven ist längst ein Gebot der Zeit. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass es auch mit dem Selbstvertrauen der Betriebe und Vorgesetzten bei uns zu tun hat. Der könnte einen ja in Frage stellen oder zumindest was vom eigenen Glanz abkriegen.
  • Eigeninitiative gepaart mit Ausdauer stellen für Berufsgruppen mit besonderem Handicap die einzige Möglichkeit dar (neben Glück und Beziehungen), um erfolgreich zu werden.
  • Ohne die große Lösung aus dem Ärmel schütteln zu können: Es wird nur mit einer Veränderung der Anreizsituation insgesamt funktionieren: Erstens eine Grundabsicherung für die, dies´s brauchen, zweitens eine Verschärfung der Kriterien für Bezüge bei Arbeitslosigkeit, drittens eine Attraktivierung der Arbeitsplatzsituationen und „geistige Öffnung“ durch die Betriebe und die Politik (Kompetenzen rein in die Unternehmen, keine Angst vor den guten Bewerbern, Ältere erschwinglich machen).
Das Wie bleibt die große Frage, deren Beantwortung wir uns annähern wollen, werden und müssen. Bildquelle: pixabay.com

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